Zum europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011

Lilian Studer, EVP-Grossrätin und Präsidentin von Benevol Aargau, spricht anlässlich einer Podiumsdiskussion im Kantonsspital Baden zum Thema "Engagiert? Freiwillig?"

Sie engagierten sich gestern freiwillig pünktlich um 14 Uhr und überzogen ebenso freiwillig um 20 Minuten. Doch das interessierte Publikum blieb geduldig sitzen – ebenfalls freiwillig. Zu Recht, denn die angeregte Podiumsdiskussion im Kantonsspital Baden (KSB) zum Thema «Engagiert? Freiwillig?» inspirierte.

 

Unter der Leitung von Werner De Schepper (stv. Chefredaktor der az Aargauer Zeitung) diskutierten SP Nationalrätin Pascale Bruderer (Geschäftsführerin Krebsliga Aargau), EVP Grossrätin Lilian Studer (Präsidentin Benevol Aargau) und Josef «Sepp» Schmid (Badener Ehrenbürger und selber Freiwilliger) über die Freiwilligenarbeit in der heutigen Gesellschaft. «Oft sagen Ehrenamtliche, dass ihnen ein Lächeln und strahlende Augen als Lohn genügen. Doch es ist wichtig, dass wir diesen Dienst in der Gesellschaft anerkennen», stellte Pascale Bruderer klar.

 

Liliane Studer erklärte zu Beginn, dass es nebst dem formellen Freiwilligendienst, wie in einem Spital oder einem Verein, auch einen informellen gäbe: «Diese Art von freiwilliger Hilfe betrifft das eigene Umfeld. Wenn ich jemandem einen Gefallen tue oder einem Nachbarn aushelfe.»

Bruderer ergänzte diese Aussage mit einem weiteren Aspekt: «Gerade Angehörige von Pflegebedürftigen leisten enorm viel und erhalten dennoch selten ein Dankeschön von der Gesellschaft.» Sie wünscht sich, dass auch in der Geschäftswelt die Freiwilligenarbeit mehr geachtet würde: «So sollte in einem Lebenslauf stärker zum Ausdruck kommen, wofür sich ein Mensch einsetzt.

Denn eine Person ist nicht nur durch ihre berufliche Ausbildung definiert.» Denn Bruderer weiss: «Der Alltag ist geprägt von sichtbarer und unsichtbarer Freiwilligenarbeit, ohne die der Staat nicht funktionieren würde.»

 

Sepp Schmid, der sich selber ehrenamtlich als Fahrer betätigt, ist sich bewusst, dass sich Frauen häufiger unentgeltlich engagieren als Männer. Und so versucht er, andere Männer zur ehrenamtlichen Mitarbeit zu motivieren: «Wir müssen lernen, wieder freiwillig etwas zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.» Und er weiss: «Anderen helfen tut einem selber gut.»

Auch Studer ist der Meinung, dass sich Freiwillige durch ihren Dienst weiter entwickeln können: «Sie gewinnen an Selbstvertrauen, erweitern ihren Horizont und knüpfen oft lebenslange Freundschaften.»

(az Aargauer Zeitung, 27. Mai 2011, Jessica Dubois)