EVP plädiert für Überprüfung der No-touch-time bei Organentnahme

Zu Beginn der Win­ter­ses­sion hat EVP-Nationalrätin Mari­anne Streiff, BE in einer dring­li­chen Anfrage den Bun­des­rat gefragt, ob er bereit ist, die umstrit­tene Neu­re­ge­lung für die No-Touch-Time bei Organ­ent­nah­men rück­gän­gig zu machen oder zumin­dest solange zu sis­tie­ren, bis diese wis­sen­schaft­lich breit abge­stützt und öffent­lich dis­ku­tiert wer­den konnte. In den ein­schlä­gi­gen Richt­li­nien zum revi­dier­ten Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz war diese War­te­zeit zwi­schen Herz-Kreislaufstillstand und Fest­stel­lung des Hirn­to­des ohne Ver­nehm­las­sung nach­träg­lich von 10 auf 5 Minu­ten gekürzt wor­den.

Der Bun­des­rat hatte das revi­dierte Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz (TxG) per 15. Novem­ber 2017 in Kraft gesetzt. Die zuge­hö­rige Ver­ord­nung ver­weist zur Fest­stel­lung des Todes auf die ein­schlä­gi­gen SAMW-Richtlinien, die eben­falls revi­diert wur­den. Bei der Ent­nahme von Orga­nen nach einem Herz-Kreislaufstillstand beinhal­ten diese Richt­li­nien jedoch neu eine gra­vie­rende Ände­rung: Sie ver­kür­zen die War­te­zeit zwi­schen dem Herz-Kreislaufstillstand und der Hirn­tod­dia­gnos­tik von bis­her 10 Minu­ten auf nur noch 5 Minu­ten um die Hälfte.

Diese ein­schnei­dende Ver­kür­zung der No-Touch-Time hatte die Schwei­ze­ri­sche Aka­de­mie der Medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaf­ten (SAMW) aller­dings erst nach der Ver­nehm­las­sung der revi­dier­ten Richt­li­nie nach­träg­lich ein­ge­fügt, ohne eine erneute Ver­nehm­las­sung durch­zu­füh­ren.

Befremd­li­ches Vor­ge­hen ohne Ver­nehm­las­sung und öffent­li­chen Dis­kurs

Mari­anne Streiff, EVP, fragt den Bun­des­rat, wie er das Vor­ge­hen begrün­det, diese ein­schnei­dende Hal­bie­rung der No-Touch-Time ohne Ver­nehm­las­sung und öffent­li­chen Dis­kurs intrans­pa­rent in der SAMW-Richtlinie fest­zu­le­gen.

Die Würde des Men­schen im Ster­ben wah­ren

Sie will aus­ser­dem wis­sen, wel­che Vor­keh­run­gen vor­ge­se­hen sind, damit die Würde des Men­schen im Ster­ben und Tod bewahrt und sicher­ge­stellt ist, auch wenn die War­te­zeit zwi­schen dem Ster­ben und der Ope­ra­tion zur Ent­nahme der Organe dras­tisch um die Hälfte redu­ziert wird.

Ist der Bun­des­rat bereit zu sis­tie­ren?

Schliess­lich soll der Bun­des­rat Stel­lung dazu neh­men, ob er ein­ver­stan­den ist, die Min­dest­war­te­zeit bei zehn Minu­ten zu belas­sen und das revi­dierte Trans­plan­ta­ti­ons­ge­setz samt Ver­ord­nung solange aus­ser Kraft zu set­zen, bis die umstrit­tene Ände­rung aus der Richt­li­nie ent­fernt oder zumin­dest wis­sen­schaft­lich breit abge­stützt und öffent­lich breit dis­ku­tiert wer­den konnte.

Ist die Ver­kür­zung nicht kon­tra­pro­duk­tiv?

Sie fragt zudem, ob diese Ver­kür­zung nicht sogar kon­tra­pro­duk­tive Aus­wir­kun­gen haben wird, weil poten­zi­elle Organ­spen­de­rin­nen und Organ­spen­der dadurch eher abge­schreckt wer­den. (Sie kennt poten­zi­elle Spen­der, die aus die­sem Grund ihren Spen­der­aus­weis zer­ris­sen haben.)

Und schliess­lich will sie wis­sen, aus wel­chem Grund der Bun­des­rat in sei­ner Medi­en­mit­tei­lung vom 18. Okto­ber 2017 zum Inkraft­set­zen des Trans­plan­ta­ti­ons­ge­set­zes uner­wähnt liess, dass die War­te­frist für eine Organ­ent­nahme nach Herz- Kreis­lauf­still­stand hal­biert wird.

Die Hal­bie­rung der War­te­zeit gilt als hei­kel, weil die Beur­tei­lung der benö­tig­ten Min­dest­dauer wis­sen­schaft­lich umstrit­ten ist. In Deutsch­land lehnt die Bun­des­ärz­te­kam­mer eine Organ­ent­nahme nach Herz-Kreislaufstillstand gene­rell ab, da die Todes­fest­stel­lung zu unsi­cher sei. Die Gesell­schaf­ten für Kar­dio­lo­gie und Neu­ro­lo­gie tei­len diese Auf­fas­sung ebenso wie nam­hafte Neu­ro­lo­gen.

Für Aus­künfte:

Par­tei­prä­si­den­tin und Natio­nal­rä­tin Mari­anne Streiff-Feller: 079 664 74 57

Domi­nik Währy, Gene­ral­se­kre­tär: 079 688 05 55

Dirk Mei­sel, Lei­ter Kom­mu­ni­ka­tion: 079 193 12 70

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