Gesellschaft in Schieflage

EVP-Generalsekretär Joel Blunier wünscht sich mehr tra­gende Grund­werte in der Gesell­schaft. Sein Kom­men­tar zum Schiffs­un­glück in Ita­lien.

 

Zwei Ereig­nisse präg­ten die Schlag­zei­len in den ver­gan­ge­nen Wochen: die Nationalbank-Affäre und das Schiffs­un­glück in Ita­lien. Schaut man etwas näher hin, offen­ba­ren sich gesell­schaft­li­che Abgründe. Und zwar ein Man­gel an per­sön­li­cher Wer­teo­ri­en­tie­rung. Lügen, Intri­gen, Macht, Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit, Ego­is­mus, Intrans­pa­renz, Feig­heit und Respekt­lo­sig­keit wur­den scho­nungs­los ans Licht gebracht. Die Medien hiel­ten sich dabei eben­falls nicht immer an die Wahr­heit und die jeweils erwähnte Unschulds­ver­mu­tung ist heute nur noch eine Flos­kel.

 

Tref­fend der Kom­men­tar der Ehe­frau des Küstenwache-Kommandanten, wel­cher den Kapi­tän der Costa Con­cor­dia wie­der aufs sin­kende Schiff zurück­be­or­dern wollte: dass jemand, der ganz nor­mal seine Pflicht und Auf­gabe erfüllt habe, heut­zu­tage als Natio­nal­held gefei­ert wird, zeige den bedenk­li­chen Zustand der ita­lie­ni­schen Gesell­schaft.

 

Die Glaub­wür­dig­keit der Auto­ri­täts­per­so­nen und im spe­zi­el­len der Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker ist auf einem Tief­punkt. Das ver­deut­li­chen auch Mei­nungs­um­fra­gen. Woran soll sich die Gesell­schaft künf­tig ori­en­tie­ren, wenn sie den Kapi­tä­nen auf der Brü­cke nicht mehr traut? Eine Rück­be­sin­nung auf tra­gende Gemein­schafts­werte tut not. Poli­tisch ver­ord­net wer­den kön­nen Werte jedoch nicht. Da hilft nur gött­li­che Ein­sicht. Und prak­ti­sches Vor­le­ben.

 

Joel Blunier,

Gene­ral­se­kre­tär der EVP Schweiz