Interpellation von Grossrat Sämi Richner betreffend Auffüllung des Steinbruchs Oberegg

Der Stein­bruch Obe­regg von Auenstein/ Velt­heim der Jura Cement Fabrik Wil­degg wird in Kürze fer­tig abge­baut sein. In der Rekul­ti­vie­rungs­vor­gabe ist vor­ge­se­hen, das Loch nicht zu nut­zen, son­dern, so wie es ist, der Natur zu über­las­sen. Die Obe­regg mit der sehr steil abfal­len­den und daher gefähr­li­chen Süd­wand ist aber ein Sicher­heits­ri­siko. Eine Auf­fül­lung des 6 Mil­lio­nen m3 gros­sen Lochs mit unpro­ble­ma­ti­schem Tun­nelaus­hub­ma­te­rial der geplan­ten SBB Tun­nel­pro­jekte Eppen­berg, Ches­ten­berg, Hei­ters­berg und Wisen­berg bie­tet sich gera­dezu an.

Bericht in der AZ vom 25.2.2011 von Hans Lüthi:

Kalk­stein wird hier seit Jahr­zehn­ten abge­baut, der Stein­bruch Obe­regg hat ein rie­si­ges Loch in die Land­schaft geris­sen. Jetzt liegt er in den letz­ten Zügen, es hat noch Roh­ma­te­rial zur Zement­her­stel­lung für die nächs­ten ein bis zwei Jahre. Vom bewal­de­ten Kamm aus fällt die Süd­wand 30 Meter senk­recht in die Tiefe. «Eine ideale Gelän­de­lü­cke zum Auf­fül­len, rund acht Mil­lio­nen Kubik­me­ter gross», sagt EVP-Grossrat Sämi Rich­ner am Rande des Abbau­ge­biets.

Klar ist: Es geht nicht um eine Depo­nie, son­dern um unpro­ble­ma­ti­schen Aus­hub aus den SBB-Tunnels Eppen­berg, Ches­ten­berg, Hei­ters­berg und Wisen­berg. Damit lies­sen sich zwei Flie­gen auf einen Schlag tref­fen: Es gäbe viel Platz für Aus­hub­ma­te­rial, der immer drin­gen­der gesucht wird, die Lücke würde gefüllt.

 

Für die Regie­rung prü­fens­wert

Mit einer Inter­pel­la­tion wollte Rich­ner dem Depo­nie­raum Schub ver­lei­hen. Er wohnt in der Nähe, kennt das Gebiet wie seine Hosen­ta­sche und ist seit vie­len Jah­ren in der Steinbruch-Kommission tätig. Hier geht es darum, die Inter­es­sen der Anwoh­ner gegen Lärm, Staub, Spren­gun­gen und den Schutz der Land­schaft

zu ver­tre­ten. Die Regie­rung fin­det die Vor­schläge «grund­sätz­lich prü­fens­wert», denn Jahr für Jahr fällt mehr Aus­hub an. Wäh­rend sich der Kies­ab­bau im Aar­gau bei jähr­lich zwei Mil­lio­nen Kubik­me­tern ein­ge­pen­delt hat, gibt es gleich­zei­tig drei

Mil­lio­nen Kubik­me­ter Aus­hub. Abfall- und Alt­las­ten­chef Peter Kuhn von der Abtei­lung für Umwelt plä­diert dafür, alle Gru­ben kon­se­quentzu nut­zen und falls nötig zusätz­lich Platz zu schaf­fen. Allein 2009 haben Zür­cher und Bas­ler 750 000 m³ Aus­hub in den Aar­gau gelie­fert.

 

Kein Füll­zwang im Stein­bruch

Abbau­stel­len sol­len gemäss Dekret zum Natur- und Land­schafts­schutz «rekul­ti­viert oder rena­tu­riert wer­den», schreibt die Regie­rung. Aller­dings müss­ten bei Stein­brü­chen die alten Land­schaf­ten in den meis­ten Fäl­len nicht mehr her­ge­stellt wer­den. Das sei auch in der Obe­regg der Fall, in allen Bewil­li­gun­gen des Kan­tons fehle die Bedin­gung für eine

Auf­fül­lung. Bis­her habe das Rekul­ti­vie­rungs­kon­zept vor­ge­se­hen, das ganze Gebiet der Natur zu über­las­sen, an den tiefs­ten Stel­len für Tüm­pel oder Laich­ge­wäs­ser, an den süd­ex­po­nier­ten Hän­gen für sel­tene jura­ty­pi­sche Arten. Mit einem Fül­len bis zur Wald­kante blie­ben die wert­vol­len Süd­hänge zur Haupt­sa­che erhal­ten, die tiefe Grube ist «natur­kund­lich weni­ger bedeut­sam».

 

Auf­nahme in den Richt­plan

Gros­ses Inter­esse zei­gen auch die tan­gier­ten Gemein­den: «Velt­heim und Auen­stein haben bean­tragt, die Depo­nie gleich mit der lau­fen­den Gesamt­re­vi­sion in den Richt­plan auf­zu­neh­men», sagt Daniel Schaub, Lei­ter

Sek­tion und Was­ser in der Abei­lung für Umwelt. Aus for­mel­len Grün­den sei das aber nicht so schnell mög­lich, denn wie bei allen Pro­jek­ten müsse zuerst eine öffent­li­che Anhö­rung statt­fin­den. Das erlaube eine ver­tiefte Dis­kus­sion, bevor die Depo­nie richt­pla­ne­risch fixiert werde. Für die neu ent­ste­hen­den Flä­chen sind viele Nut­zun­gen denk­bar: «Land­wirt­schaft, Wald oder auch eine Erho­lungs­zone», meint Initi­ant Rich­ner. Aus «Sicht des Land­schafts­schut­zes

begrüsst die Regie­rung die Auf­fül­lung», sie könnte sich aber ebenso ein Geo­top von natio­na­ler Bedeu­tung vor­stel­len.

 

Anlie­fe­rung nur durch Bahn?

«Auf mei­nen Vor­stoss gab es viel Unter­stüt­zung und kaum Kri­tik», erklärt Sämi Rich­ner bei einer Besich­ti­gung. Diese führt am eins­ti­gen Ver­kehrs­si­cher­heits­zen­trum Velt­heim vor­bei. Des­sen Stand­ort ist nicht mehr zu erken­nen, im unte­ren Teil wird Kalk­stein abge­sprengt und als Roh­stoff per För­der­band zu den Jura Cement­fa­bri­ken in Wil­degg geführt. Auch das alte För­der­band samt Brü­cke über die Aare bis zum Güter­bahn­hof der alten Zement­fa­brik in Hol­der­bank besteht noch. Darum denkt Rich­ner an einen umwelt­freund­li­chen Bahn­trans­port und die Nut­zung des För­der­ban­des. Dies mit dem Vor­teil, das für die Zement­her­stel­lung nutz­bare Mate­rial direkt aus­sor­tie­ren zu kön­nen. Eine abso­lute Beschrän­kung auf die Bahn ist aber laut Regie­rung «weder öko­no­misch noch öko­lo­gisch sinn­voll». Zudem sei das alte För­der­band für den Tun­nelaus­hub «nicht nutz­bar oder nicht von Bedeu­tung».

Die Inves­ti­tio­nen in Bahn­aus­bau und Trans­port­band wür­den sich nur bei gros­sen Men­gen loh­nen, aber sol­che Garan­tien könne heute nie­mand abge­ben. Die Hori­zonte für die Bahn­tun­nels seien noch weit ent­fernt, eine kon­krete

Pla­nung der Auf­fül­lung mit Tun­nelaus­hub in der Obe­regg darum ver­früht. Zwi­schen der Wie­der­auf­fül­lung und dem Wunsch von Jog­gern und Wan­de­rern, die 2008 geschlos­sene För­der­brü­cke über die Aare erneut benüt­zen zu kön­nen, "sieht die Regie­rung kei­nen direk­ten Zusam­men­hang".